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mami's Blog
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Geschenke, Wirklichkeit und Unternehmer, die Zahlen lesen

Politik vs Realität.

Es gibt diese Tage, an denen ich mir die Zahlen länger ansehe als nötig.

Die häufig wiederkehrende Frage: War das jetzt ein guter, ein schlechter oder ein durchschnittlicher Tag? Die Definition eines guten Tages hat sich in den letzten fünf, sechs Jahren verändert. Die Latte hat sich gesenkt. In aller Stille.

99 Gäste an einem Abend wären 2019 ein Anlass für Alarm gewesen. 2026 sind sie der Durchschnitt. Lasst uns mit dieser Zahl beginnen. Ein ehrlicher Einstieg in alles andere.

Das uuuhmami im ersten Quartal 2026

6.933 Gäste in drei Monaten. Im Schnitt 99 pro Abend. Unsere Benchmark sind, je nach Wochentag, 140 bis 180.

Vier von zehn reservierenden Gästen kamen mehr als einmal. Shoutout an unsere loyalen Stammgäste.

Der Pro-Kopf-Umsatz ist im Vergleich zu 2025 stabil. Die Frequenz lässt nach. Im Vergleich zu Q1 2025 minus 18 Prozent.

Das ist die Einnahmenseite. Und die Ausgaben?

Ein Modellbetrieb macht es greifbar

Um die Größenordnung der strukturellen Belastung greifbar zu machen, hilft der Blick auf einen fiktiven Modellbetrieb. Nehmen wir ein Café-Konzept durchschnittlicher Größe: 50 Sitzplätze, 70 Prozent Auslastung. Die Gesamtkosten lagen 2015 bei 900.000 Euro. 2025 sind es 1,3 Millionen.

Eine Steigerung um 48 Prozent in zehn Jahren. Aber warum?

Personal plus 51 Prozent. Energie plus 67 Prozent. Wareneinsatz plus 47 Prozent. Miete plus 39 Prozent. Soll ich weitermachen?

So abstrakt ist das wenig nachvollziehbar. Also, was bedeutet das ganz konkret für dich als Gast oder für die Betreiber des Cafés:

Eine Speise, die 2015 für zehn Euro brutto auf der Speisekarte stand, erzielte eine Marge von 1,26 Euro. Entspricht also dem Gewinn vor Steuern des Unternehmens. EinEuroSechsundZwanzig — macht den Schampus auf und lasst uns feiern.

In 2025 würde dieselbe Speise bei unverändertem Preis 2,17 Euro Verlust machen. Sollten wir spätestens dann über eine Preiserhöhung nachdenken? Der Controller sagt: „Unbedingt, sofort, am besten gestern." Der weitsichtige Unternehmer fragt: „Unsere Gäste haben ja ähnliche Kostensteigerungen. Wie sollen die sich das denn leisten können?"

Da haben wir den Salat.

Halt durch, es wird noch besser. Denn jetzt kommt: das Geschenk.

Das Geschenk

Du bist auf einem Geburtstag eingeladen, hast aber keine Kohle, um ein Geschenk zu kaufen. Eine Lösung muss her, denn dein Ruf darf auf keinen Fall ruiniert werden. Du bist Macher, ein Alphamensch, und hast immer für alles eine Antwort.

Also rufst du einen Freund an: Überweis mir 100 Euro, damit ich dem Geburtstagskind ein Geschenk kaufen kann. Ist wichtig, ich will ihm was Gutes tun und so richtig gut Eindruck machen.

Du kaufst das Geschenk mit Geld, das dir nicht gehört. Du präsentierst es, ohne zu erwähnen, wer hier eigentlich für dich in die Bresche gesprungen ist. Dein Ruf ist gerettet. Du hast es halt einfach drauf.

Willkommen Entlastungsprämie.

Bis zu 1.000 Euro pro Angestellten, steuer- und abgabenfrei, ausgezahlt durch den Arbeitgeber.

Für ein mittelständisches Unternehmen mit beispielsweise 100 Angestellten und 10 Prozent Umsatzrendite bedeutet dies: Der Betrieb benötigt eine Million Euro zusätzlichen Umsatz, um diese 100.000 Euro ans Team als Prämie aus laufenden Erträgen zu finanzieren.

In einem Umfeld, dessen Konsumverhalten von maximaler Unsicherheit und Zurückhaltung geprägt ist und in dem die Kosten an allen Ecken explodieren.

Die Regierung verteilt das Geschenk. Bezahlen sollen andere. Es erfordert definitiv besondere Fähigkeiten, sich so etwas auszudenken.

Eine Frage am Rande: Warum nicht ein Monatsgehalt, mit maximaler Obergrenze, brutto wie netto? Keine Abgaben. Bürger hat mehr Geld auf dem Konto und konsumiert. Die Unternehmen werden nicht zusätzlich belastet, überleben und investieren vielleicht sogar. Die Regierung sind die Avengers-Superhelden.

Vielleicht denke ich zu naiv.

Besser ist es, sich in Interviews zu setzen und eine Weitergabe der MwSt-Anpassung zu fordern. Bevor das hier zu einem Buch wird, passt das besser in einen anderen Beitrag.

Der optimistische Twist

An manchen der Tage, an denen ich mir die Zahlen länger ansehe als nötig, sehe ich die Stammgäste, die zum dritten Mal in vier Wochen kommen. Höre das Team in der Küche, im Service und an der Bar. Sehe das Licht über den Tischen und am Pass. Und bin zufrieden.

Es gibt einen Grund, aus dem wir das hier tun. Die Menschen im uuuhmami. An den Tischen und im Team.

— Ellis
Quellen: Modellbetrieb auf Basis öffentlich verfügbarer Daten von DEHOGA, Statistischem Bundesamt und Mindestlohnkommission. Repräsentativ für die Branche, ohne Bezug auf einen konkreten Betrieb. uuuhmami-Zahlen aus internem Quartalsbericht Q1 2026.

Entlastungsprämie 2026: Bundesfinanzministerium, Pressemitteilung vom 12. April 2026. Bundestags-Drucksache 21/5321. Beschluss am 24. April 2026 mit 453 Ja-Stimmen, 134 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung. Zustimmung des Bundesrats stand bei Recherche-Abschluss noch aus.

Steueränderungsgesetz 2025, Bundestags-Beschluss 4. Dezember 2025, Bundesrat-Beschluss 19. Dezember 2025. Klingbeil-Aussagen aus Pressekonferenzen Sommer und Herbst 2025, dokumentiert u. a. bei Tageskarte und HOGAPAGE. Mindestlohnerhöhung 2026: Mindestlohnkommission. Verlustjahre und Insolvenzrate: DEHOGA Bundesverband.
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Da bist du ja endlich.

Restaurant uuuhmami · Alte Eppelheimer Straße 50 · 69115 Heidelberg